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Garden State

Garden State erzählt die Geschichte von Andrew Largeman, der von allen nur Largeman oder kurz Large genannt wird. Er ist ein junger Mann irgendwo Mitte 20, der in Los Angeles lebt, wo ihn einst die Schauspielerei hinverschlagen hatte. Doch offensichtlich ist diese Karriere gescheitert und er treibt nur noch ziellos durchs Leben, während er sich als Kellner in einem thailändischen Restaurant über Wasser hält.

Gespielt wird Largeman von Zach Braff, der sich gleichzeitig für das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeigt, was er speziell für sein Debut als Filmemacher sehr gut unter einen Hut bekommt.

Zu Beginn des Films scheint Largeman jeglichen Bezug zu seiner Umwelt verloren zu haben und keinen eigenen Antrieb zu besitzen, daran großartig etwas zu ändern. Durch den Unfalltod seiner Mutter wird er aber gezwungen zu ihrer Beerdigung zurück in seine alte Heimat zu fliegen und sich dort seiner Vergangenheit zu stellen. Diese Vergangenheit besteht zu allererst aus seinem Vater, zu dem er ein äußerst zwiespältiges Verhältnis aufweist, weswegen er jahrelang versucht hatte, ihm jeglichen Zugang zu seinem Leben zu verweigern.

Aber zurück in der alten Heimat wird er nicht nur mit seinem Vater, sondern auch mit seinen alten Freunden, zu denen er ebenfalls jeglichen Kontakt verloren hatte, konfrontiert. Es zeigen sich schnell gewisse Probleme, den alten Kontakt wieder herzustellen, da sich mit der Zeit eine große Distanz zwischen ihm und seinen Freunden gebildet hat. Doch bei den Freunden scheint der Wille dazu trotzdem da zu sein und Largeman zeichnet sich anfangs durch eine völlige Indifferenz dazu aus, weswegen er sich einfach mitreißen lässt, aber doch irgendwie immer nur Beobachter bleibt. Seine alten Freunde scheinen aber durchaus auch mit ähnlichen Problemen wie er zu kämpfen. Sie haben ihren Platz im Leben nicht wirklich gefunden, wissen aber auch nicht wirklich, was sie sich von ihrer Zukunft erwarten und statt sich zu entscheiden und etwas zu unternehmen, lassen sie sich nur vom Leben zwischen Drogen, Partys und belanglosen Jobs hin und her treiben.

Doch für Largeman ändert sich viel als Sam, die hervorragend von Natalie Portman gespielt wird, in sein Leben tritt. Sie ist eine sehr ungewöhnliche Person, die aus ihrem ebenfalls tristen Alltag versucht mehr herauszuholen, indem sie ihre Phantasie spielen lässt und sich immer neue Geschichten ausdenkt, die ihr Leben interessanter erscheinen lassen sollen. Mit ihrer völlig anderen Sicht auf die Welt wirbelt sie Largemans Leben gehörig durcheinander und so langsam löst sich sein Schleier aus Gleichgültigkeit gegen sich selbst und seine Umwelt etwas auf. Dadurch wird aber nicht, wie so oft in als romantisch titulierten Filmen, plötzlich alles gut, sondern es treten mehr und mehr die unter diesem Schleier begrabenen Probleme und Konflikte wieder hervor, ohne dass sofort ein Ausweg daraus präsentiert wird.

Mein Fazit für Garden State ist, dass dies mal ein tatsächlich romantischer Film ist, und nicht wie so viele Filme, in denen es um Liebe geht, einfach sehr schnell in Belanglosigkeit und Kitsch abgleitet. Die Geschichte von Largeman und Sam wird sehr ruhig, und oft auch sehr melancholisch erzählt, doch immer wieder erwachsen aus diesen melancholischen Szenen die wirklich romantischen Szenen. Die schauspielerische Leistung von Zach Braff und Natalie Portman tragen die Handlung und vor allem die Emotionen hervorragend, wodurch sich trotz der sehr ruhigen Erzählweise der Film jederzeit erfolgreich davon fernhält langweilig zu werden, stattdessen gelingt es ihnen hervorragend auch ohne Dialoge die größer werdende Bindung zwischen ihnen deutlich werden zu lassen. Immer möchte man wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt, und das betrifft auch nicht nur die zwischen Largeman und Sam, sondern auch die seiner Freunde und die, des Konfliktes von Largeman und seinem Vater. Dies ist auch ein großes Faktor, der dazu beiträgt, den Film vom üblichen Liebesfilmkitsch fernzuhalten, da er nie dazu verkommt, nur die Geschichte dieser beiden Personen zu erzählen und irgendwann auf dem Weg einfach die irgendwann einmal eingeführten Nebencharaktere zu vergessen. Stattdessen bleiben sie immer ein wichtiger Teil des Films und geben diesem so deutlich mehr Tiefe. Am Ende bleibt ein Film, der einen mit einer Gruppe von Menschen konfrontiert, die ihren Bezug zur Gesellschaft in der einen oder anderen Weise verloren haben, da sich bei ihnen allen nie das erfolgreiche Leben eingestellt hat, wonach die heutige Gesellschaft scheinbar fast ausschließlich die Menschen bewertet. An diesem Anspruch gescheitert bleiben die Charaktere verunsichert zurück und suchen nach etwas, was sie selbst weiter als Individuen definieren kann, um mehr sein zu können, als die an den Ansprüchen der Gesellschaft, ihrer Familien, aber auch ihren eigenen Gescheiterten. Zu keinem Zeitpunkt liefert der Film Antworten oder Wege aus den Unsicherheiten, die alle Charaktere plagen, nur die Feststellung, dass man sie nie loswerden kann, solange man immer nur versucht, vor ihnen wegzulaufen. Und das ist der Punkt, wo Garden State wirklich romantisch wird. Denn letztendlich sind es allein diese Unsicherheiten, die Largeman und Sam so eng verbinden und so bleibt die Botschaft, dass nicht mal die Liebe alles gut machen kann, aber sie kann der Grund sein, sich wirklich seinen Unsicherheiten, Ängsten und Zweifeln zu stellen, und zwar gemeinsam. Niemand muss perfekt sein für die Liebe, vielmehr wird nur die Bereitschaft gebraucht, den mal schweren, mal leichten Weg gemeinsam zu gehen. Zum Schluss kann ich nur noch sagen, dass man Zach Braff wirklich für dieses Werk danken kann, welches so überdeutlich zeigt, dass sich seine Talente beileibe nicht nur auf Comedy reduzieren. Ich kann diesen Film wirklich jedem empfehlen, der sich wenigstens noch ab und zu die großen Fragen des Lebens stellt.

21.11.07 15:54
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Walkyre (23.11.07 09:08)
Ja, der Film ist wirklich schön! Ich hab' ihn selbst vor etwas längerer Zeit mal auf DVD geschaut....

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